Endzeitstimmung

Rezension zu “Lumen” von Christoph Marzi

Inhalt

Auch der dritte Teil der Lycidas Trilogie dreht sich wieder um Emily Laing und ihre Gefährten. London wird durch ominöse Nebelerscheinungen bedroht. Diesen Nebeln ist es möglich, Menschen zu übernehmen und dem Träger ihren Willen aufzuzwingen. Eine Gruppe an Nebeln übernimmt einen Krankenpfleger und lässt diesen Mia Manderly töten, so dass die alte Fehde zwischen den Häusern Manderly und Mushroom wieder ausbricht.

Neben dem Tod ihrer Mutter muss Emily Laing noch weitere Schicksalsschläge verkraften. Ihr Freund Adam Stewart beendet die Beziehung. Schlechte Voraussetzungen, um in Erfahrung zu bringen, wer sich hinter den Nebeln verbirgt, vor allem, weil weitere Gegenspieler auftauchen. Der Weg zur Rettung Londons führt über die Uralte Metropole und die Hölle nach Prag. Während ihren Ermittlungen müssen Emily und Wittgenstein feststellen, dass vieles nicht so ist, wie es zu sein scheint.

Rezension

Der dritte Teil der Lycidas-Trilogie ist wohl der dunkelste. Zu Beginn muss Emily Laing nicht nur den Tod ihrer Mutter verkraften, sondern auch die Trennung von ihrem Freund Adam Stewart. Einziger Lichtblick ist die Tatsache, dass die Freundschaft zu Aurora, die in den letzten Jahren etwas gelitten hat, wieder stärker wird. Im Angesicht der Gefahr, in der London schwebt, ist dies jedoch nur ein kleiner Lichtblick. »Die Welt ist eine Lügnerin«, immer wieder müssen die Protagonisten erfahren, wie stimmig dieser Satz ist, stellen sich doch Verbündete als Feinde heraus.

Wieder einmal liegt es an Emily Laing, ihrem Mentor Wittgenstein sowie ihren Freunden, London zu retten. Wie schon in den anderen Teilen der Trilogie verwebt Marzi verschiedene Mythen und Sagen miteinander. Diesmal sind es Geschichten um den Erzengel Gabriel, den Golem des Rabbi Löw, sowie das Bildnis des Dorian Gray. Auch mit Verweisen auf die Literatur geizt der Autor nicht, so trifft man in Prag auf eine Figur, die vielen Lesern aus einem Kafka-Roman bekannt vorkommen wird.

Die Charakterisierungen der Figuren sind, wie gewohnt, gut. Besonders stark werden die Emotionen hervorgehoben, da Freud und Leid sehr dicht beieinander liegen.

Das Buch bietet gewohnte Marzi-Qualität. Das ist einerseits gut, anderseits auch irgendwann monoton. Vieles kommt dem Leser irgendwie bekannt vor, manches wirkt aufgewärmt. Mr. Fox und Mr. Wolf, die Lakaien Liliths, sind einfach nur noch nervig. Weil sie es schaffen, eine interessante Information über zwei Seiten auszubreiten. Als Leser ist man geneigt in das Buch hineinzuspringen und den beiden einen Punkt zu schenken. Auch in Prag trifft man auf alte Bekannte, und das Ganze wirkt wie ein Picknickausflug der üblichen Verdächtigen.

Nichtsdestotrotz bleibt die Geschichte gut zu lesen und spannend. Viel mehr als der 5. alte Bekannte, der auftaucht, ist es eine andere Kleinigkeit, die störend wirkt. In Lumen wimmelt es nur so von suizidalen Hauptpersonen. Es scheint in Mode zu sein, sich für die gute Sache, oder gar für die Liebe zu opfern.

Achtung wichtige Information die den Lesespaß beeinträchtigen könnte:show

Am Ende stellt sich alles als eine große Verschwörung heraus, bei der sich jeder gegen jeden verschworen hat. Viele Zufälle erweisen sich als geplant. Für meinen Geschmack ein paar Zufälle zu viel.

Fazit

Lumen ist kein schlechter Roman. Lesern, die Lycidas und Lilith kennen, wird einiges bekannt vorkommen. Manchmal wirken Entscheidungen allerdings handlungsbestimmt. Lumen ist gut, fällt aber im Vergleich zu den Vorgängerbänden deutlich ab. GUT – (2,3).

Bibliographische Daten

Christoph Marzi: Lumen.
Heyne, 2006, Trad-Paperback, 798 Seiten.
ISBN: 978-3453810815

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