Die Leiden des jungen Adepten

Rezension zu Sunquest Teil 8: „Der Rote Adept“ von Rüdiger Schäfer

Inhalt

Mun erhält den Ruf und begibt sich in das Wissensarchiv. Dort trifft er auf den jungen Adepten Legetar, der sichtlich nervös ist. Mun hilft ihm, indem er ihn in die Meditation einführt.

Während er auf seine Entbürdung wartet, den Vorgang bei dem sein gesammeltes Wissen ins Archiv übertragen wird, erinnert sich Mun immer wieder an seine Kindheit.

Vergangenheit: Im Alter von 6 Jahren muss der junge Mun Lanaka miterleben, wie seine Eltern von einer Räuberbande, die ihre Farm überfällt, getötet werden. Mun überlebt nur, weil er sich in einem Brunnen versteckt, in dem er fast erfriert. In letzter Sekunde wird er von dem Wissensträger Alman a Sant gerettet. Mun folgt ihm gegen den Willen des Wissensträgers, trotz der Schläge die er immer wieder erhält. Nach einigen Jahren akzeptiert Alman Mun als seinen Begleiter, als einen willkommenen Diener, und beginnt mit der Ausbildung Muns. In strenger Manier lehrt er ihn die Kampfkunst und Grundzüge der Wissenschaft.

Obwohl er ihn ausbildet, behandelt Alman Mun weiterhin schlecht. Als Mun in Burundum die junge Mairee kennen und lieben lernt, stellt sich Alman zwischen die beiden. Bei einem zweiten Besuch kommt es sogar soweit, dass Alman Mairee vergewaltigen will. Mun stellt sich dazwischen und es kommt zu einer Auseinandersetzung in der Alman a Sant den Tod findet. Mit seinen letzten Worten teilt er Mun mit, dass er als Adept bei der Gilde der Wissensträger aufgenommen wurde. Mun nimmt seine Aufgabe an und lässt Mairee zurück.

In den nächsten Jahren wird Mun zum Adepten ausgebildet, dabei baut er eine besondere Beziehung zu dem seinem Lehrmeister, dem Draawen Taardar, auf.

Gegenwart: Nach seiner Entbürdung beschließt Mun, seinen Lehrmeister Taardar aufzusuchen. Dieser liegt im Sterben, teilt ihm aber mit, dass sich das Archiv in großer Gefahr befindet. Legetar, der sich als der Rote Adept herausgestellt hat, hat ein Zeitloch erschaffen, dass sich immer mehr ausdehnt. Während außerhalb des Archivs die Zeit normal verläuft, steht sie innerhalb des Zeitlochs, dass das ganze Archiv zu erfassen droht, fast still. Mun ist der weiße Adept, der einzige der Legetar aufhalten kann. Bevor er stirbt, bestätigt Taardar Muns Vermutung, dass sein Leben bisher von der Gilde in die „richtigen Bahnen“ gelenkt wurde.

Mun sucht Legetar auf. Auf einmal findet er sich auf eine Ebene versetzt. Legetar weiß nicht, wie er diese verlassen soll. Als Mun ihn berührt, spürt Legetar ebenso wie sein Gegenüber unsägliche Schmerzen. Legetar beginnt rapide zu altern und stirbt schließlich als alter Mann in Muns Armen. In seinen letzten Zügen teilt er Mun mit, dass er nach dem Aufenthaltsort der Urmutter geforscht und diesen gefunden habe. Dieser liegt bei der Stele von Majakar, am Meer.

Das Zeitloch löst sich auf, das Archiv ist gerettet. Die Draawen erzählen Mun, dass Taardar gestorben ist und geben ihm den Auftrag bei Shanija zu bleiben. Wieder bei Shanija und ihren Gefährten, trennt sich die bisherige Gruppe. Darren und Seiya machen sich auf die Suche nach der verschollenen As’mala, Shanija und Mun suchen die Urmutter.

Rezension

Der Rote Adept ist eine klassische Lebensgeschichte. Genauer gesagt, die des jungen Mun Lanaka, der einen Lebensweg voller Schmerz und Leid gehen muss. Less erweist sich im Roman nicht nur als ein Ort der Freude, sondern vor allem als ein Ort, an dem unbarmherzig das Gesetz des Stärkeren gilt. Natürlich gibt es auch in dieser Welt Samariter die Gutes tun, jedoch sind dies nicht die Armen, sondern die Reichen die es sich leisten können.

Der Rote Adept ist ein erstklassiger Einblick in das Leben auf Less, wie es ein dort geborener sieht. Womit ich bei der Sache bin, die ich an dem Roman besonders schätze, er ist fast ausschließlich aus der Sicht Muns geschrieben. Musste sich der Sunquest-Leser bisher fast ausschließlich mit der Perspektive Shanija Rans begnügen, so wird das Sunquestversum nun einmal aus einem anderen Blickwinkel gezeigt. Ein Schritt der längst überfällig war. Um so erfreulicher ist es daher, dass Rüdiger Schäfer diese Aufgabe mit Bravour meistert. Die Schilderung der Lebenswelt Less ist erstklassig, düster ohne Schwarz-Weiß-Malerei, halt mit vielen Graustufen. Die Charakterisierungen sind ebenfalls erstklassig. Die Charaktere sind großteils vielschichtig. Zumindest in der Geschichte Muns. Sein Lehrmeister Alman a Sant vereint den trunksüchtigen Schläger mit dem Ideal eines Wissensträgers; Legetar, ohne Zweifel der Bösewicht, ist in seiner Rolle todunglücklich und auch die Hauptperson Mun ist kein strahlender Held, sondern lässt sich zeitweilig von niederen Rachegefühlen leiten. Alles in Allem: Ein gutes Panoptikum gut gezeichneter Figuren.

Die Story ist durchweg spannend und wirkt in sich schlüssig und durchdacht. Einzig und allein zum Schluss wirkt es etwas plotdriven. Shanija, die sich vom willenlosen, befehlsausführenden Colonell zum Menschen entwickeln zu schien, fällt wieder in ihr altes Handlungsmuster zurück und gibt ihrem Auftrag Vorrang vor ihren Gefühlen. Sie verlässt sogar ihren Geliebten Darren. Und Mun? Folgt ihr. Die Gilde der Wissensträger hat es befohlen, der Adept folgt. Im Gegensatz zu Shanija finde ich diese Entscheidung nachvollziehbar. Ich finde sie nicht schön und bin der Meinung, ein Mun, der durch seine wichtige Rolle im Kampf um die Zukunft des Archivs gewachsen ist, der mehr Selbstwertgefühl hat, hätte der Geschichte gut getan. Aber der Mun, der ganz und gar Adept ist, ist ebenso glaubwürdig, weshalb ich rein objektiv an der Entscheidung nicht rummäkeln kann.

Was gibt es noch zu sagen: Der Lehrstoff für Adepten des Archivs der jedem Kapitel vorangestellt ist, liest sich fast wie eine generelle Abhandlung über Wissenschaft an sich. Sprachlich gibt es am Roman nichts auszusetzen.

Fazit

Spannender Roman, tolle Lebensgeschichte. Bis auf den Rückfall Shanijas in alte Rollenmuster habe ich nichts zu meckern. Da dies aber lediglich den Schluss des Romans darstellt und daher den Lesefluss nicht groß trübt, sehe ich keinen Grund die Bestnote zu verweigern. Sehr Gut (1,0).

Bibliographische Daten

Rüdiger Schäfer: Der Rote Adept.
In: Michael H. Buchholz / Rüdiger Schäfer: Sunquest Band 4: Hort des Wissens.
Fabylon, 2007, 240 Seiten, Taschenbuch.
ISBN: 978-392707120

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